Methadon – Segen oder Fluch?

Jeder, der die Diagnose „Krebs“ erhalten hat, wird bei der Recherche wie es weitergeht vermutlich auch von einer begleiteten Therapie mittels Methadon gehört haben. Vermehrt nehmen auch Beiträge in den Medien zu, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen – und nichts wird so kontrovers diskutiert wie die Sinnhaftigkeit dieser Therapieform. Warum ich mich für diesen Weg entschieden habe, warum ich dafür den Onkologen wechseln musste und wie es mir mit der Therapie geht, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Auf das Bauchgefühl hören

Nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus bekam ich von den Neurochirurgen einen Termin beim dort ansässigen Onkologen, wo der weitere Werdegang besprochen werden sollte. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass man mit einem etwas mulmigen Gefühl in einen solchen Termin kommt. Wenn der Onkologe dann eine emphatische Katastrophe ist, macht es die Sache nicht gerade einfacher. Ich hatte glücklicherweise meine Freundin mit dabei, die als seelische Unterstützung nicht von meiner Seite gewichen ist.

Schon als wir in das Sprechzimmer eintraten, eröffnete sich uns ein Bild des Chaos. Überall lagen irgendwelche Akten rum, in den Regalen waren kreuz und quer Ordner verstreut. Der Arzt gab uns zu verstehen, dass er erstmal meine Akte durchlesen müsse – bestens vorbereitet! Im weiteren Verlauf der Unterhaltung gab er sehr deutlich zu verstehen, dass er von Methadon überhaupt nichts hält und es daher ganz sicher nicht verschreiben würde. Zudem wollte er keine Bestrahlung durchführen lassen, was bei bösartigen Tumoren allerdings durchaus üblich wäre und zu dem gängigen Prozedere gehört. Er meinte, dass er sich die Bestrahlung als „Joker“ aufheben wollen würde, falls der Krebs zurückkehrt. Als Grund führte er an, dass man nicht unendlich oft bestrahlen könne. Um die Sache abzukürzen: wir haben uns für einen anderen Arzt entschieden.

Manchmal ist die zweite Wahl die bessere

Schon der erste Empfang bei meinem aktuellen Onkologen war so viel besser. Dieses Mal fühlte ich mich nicht wie eine Nummer, sondern wie ein Mensch. Schon an der Einrichtung der Praxis konnte man erkennen, dass hier der Patient im Vordergrund steht. Als wir dann zu dem Arzt ins Sprechzimmer gebeten wurden, bestätigte sich das Bild. Ein junger, sympathischer Arzt empfing mich und startete direkt mit einer vernünftigen Anamnese. Bei ihm musste ich das Thema Methadon auch gar nicht ansprechen, da er schon von sich aus auf das Thema aufmerksam gemacht hatte.

Er fragte mich, ob es eine Option für mich wäre, meinte aber auch gleich, dass die Wirkung nicht bewiesen ist, da es nur wenige Studien darüber gibt und niemand mit Sicherheit sagen konnte, ob es hilft oder Zufall ist – oder im schlimmsten Fall sogar schadet. Für mich war die Sache aber klar. Ich will leben! Also habe ich mich für das Methadon entschieden – selbst wenn es darüber kaum Studien gibt. Ich vertraue meinem Arzt und ich vertraue auch in das Methadon.

Wichtig ist absolute Therapie-Treue

Wichtig an der Einnahme von Methadon und das A und O ist die strikte Therapie-Treue, da es sonst sehr leicht zur Überdosierung und zu schlimmen Folgen kommen kann. Eine langsame Herantastung an die täglich einzunehmende Dosis ist daher sehr wichtig. Meine Dosierung ist aktuell und für den restlichen Verlauf bei 28 Tropfen morgens und abends. Diese Dosierung musste allerdings langsam aufgebaut werden. In meinem Fall hieß das eine anfängliche Dosis von drei Tropfen morgens und abends. Alle zwei Tage steigerte ich die Dosis dann um zwei Tropfen bis zu der Maximal-Dosis von jetzt 28 Tropfen.

Es sollte unbedingt darauf geachtet werden die Dosis zur verordneten Zeit einzunehmen und auch mit der Dosierung nicht durcheinander zu kommen. In der Regel sind das hier alle zwölf Stunden. Bewährt hat sich die Einnahme um 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends. Ab und zu kam es bei mir vor, dass ich mich verzählt habe und nicht mehr sicher sein konnte, ob ich die richtige Dosierung hatte.  Auch war ich mir mal nicht sicher, ob ich die Dosierung zwei oder dreimal genommen hatte. Bei letzterem wären die Folgen der Überdosierung vermutlich verheerend gewesen. Glücklicherweise konnte sich meine Freundin daran erinnern, dass es die zweite gewesen sein musste. Ich bin normalerweise sehr vorbildlich was das angeht, aber ab und zu kommt es doch zu solchen Vorkommnissen. Gefährlich ist der Automatismus, der sich einschleicht. Daher ist es sehr wichtig die Medikamenteneinnahme immer absolut bewusst wahrzunehmen und nichts anderes nebenbei zu machen.

Die Nebenwirkungen

Wenn man alles richtig macht, kommt es kaum zu Nebenwirkungen, jedenfalls bin ich großteils davon verschont geblieben. Die wohl nervigste Nebenwirkung ist die anhaltende Müdigkeit. Es fällt mir sehr schwer mich längere Zeit auf ein Thema zu konzentrieren. Die Folge ist das Einschlafen von einer Minute auf die andere. Dabei ist es völlig egal, ob ich liege oder sitze, es passiert einfach. Die andere Nebenwirkung soll Verstopfung sein, allerdings kann ich diese nicht bestätigen.

Da diese beiden Nebenwirkungen für mich in Ordnung gingen, habe ich diesen Strohhalm ergriffen. Aus meinem Bekanntenkreis habe ich schon viele positive Nachrichten über den Einsatz von Methadon gehört. Natürlich kann es auch sein, dass die Therapie auch ohne Methadon positiv verlaufen wäre, aber manchmal ist der Glaube an etwas stärker zu bewerten als alles Andere.

Fazit

Obwohl die Wirksamkeit von Methadon bei der Krebs-Therapie nicht bestätigt ist, habe ich mich für diese begleitende Therapieform entschieden, nicht zuletzt weil sich die Nebenwirkungen für mich im akzeptablen Rahmen bewegen. Voraussetzung dafür ist absolute Therapie-Treue, also die rechtzeitige und korrekte Einnahme von diesem Präparat.

Wenn ihr noch Fragen zu dem Einsatz von Methadon habt oder etwas unklar geblieben ist, könnt ihr euch gerne mit mir in Verbindung setzen oder in den Kommentaren fragen.

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