Zunächst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass der Content hier nur so spärlich erscheint. Gerade die letzten Wochen waren für mich nicht gerade leicht, da ich sehr müde und antriebslos gewesen bin. Wenn ich jetzt sage, dass ich von einer Minute zur anderen eingeschlafen bin, ohne dabei die Kontrolle über meinen Körper zu haben ist das nicht übertrieben. Ich bin mir nicht sicher, ob so etwas nachvollziehbar ist. Wenn ich ganz tief in meiner Vergangenheit krame, kann man es wohl am besten mit einer durchgemachten Nacht vergleichen. In diesem Fall war aber nicht die durchzechte Nacht schuld, sondern das Methadon, welches ich auch außerhalb des Zyklus nehmen muss.

Des Rätsels Lösung

Die Nebenwirkungen vom Methadon sind bekannt. Vermehrte Schweißproduktion, Verstopfung und Müdigkeit sowie Antriebslosigkeit sind dabei die, die am häufigsten auftreten. Gerade diese Antriebslosigkeit hatte mir die vergangenen Wochen sehr zu schaffen gemacht. Ich blogge eigentlich recht gerne, aber ich konnte mich nicht dazu aufraffen.

Ich kann mich an eine Zeit vor dieser extremen Schlaffheit erinnern, auch zwischen den Zyklen, wo es deutlich besser gewesen ist. Also habe ich mich der Ursachenforschung verschrieben und bin zu folgender Erkenntnis gekommen. Nach meinem vorletzten Zyklus hatte ich den Arzt gefragt, ob ich die Kortisontabletten absetzen darf, da sie zwischen den Zyklen eigentlich keinen Sinn ergeben und ich auch nicht jeden Tag Unmengen an Tabletten zu mir nehmen möchte. Gesagt, getan. Ich ließ sie weg.

Im ersten Moment habe ich dort keinen Zusammenhang entdecken können, aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen (irgendwie ein ekliges Sprichwort, findet ihr nicht?). Der Gegenspieler zum Methadon ist… Na, wer errät es? Genauuuu, das Kortison. Es unterdrückt nicht nur Schwellungen im Gehirn und wirkt als Schmerzmittel, sondern hat zusätzlich noch die Eigenschaft aufputschend zu wirken. In einen meiner vergangenen Artikel hatte ich schon einmal davon geschrieben, nur das ich da noch wesentlich höher dosiert war. Jetzt, wo ich wieder kontinuierlich Kortison zu mir nehme, habe ich auch wieder die Energie gefunden mich an diesen Artikel zu setzen und ein wenige Revue passieren zu lassen.

Vom Anfang bis zum Ende – Eine Zusammenfassung

Am 29.05.17 war der Start in eine neue Zukunft. Auf dem Weg nach Hause bin ich in der U-Bahn auf dem Weg von der Arbeit nach Hause zusammengebrochen. Es war wohl, wie man mir später erzählte, ein epileptischer Anfall. Ich konnte mich plötzlich nicht mehr erinnern was ich in der U-Bahn gemacht habe und wo ich hin wollte. Dann wurde es schwarz vor Augen.

Zahlreiche Untersuchungen und eine stationäre „Verwahrung“ im Vivantes Krankenhaus Neukölln folgten, bis zu dem OP-Termin am 14.06.17. Die OP dauerte sieben oder acht Stunden. Ich wurde während der OP aus der Narkose geweckt, fand mich am Kopf und den Armen fixiert auf einem OP-Tisch wieder. Der Blick nach oben, soweit das mit einem fixierten Kopf möglich war, enthüllte zwei Plastikplanen. Mit schmatzenden Geräuschen im Hintergrund wandte ich meinen Blick nach vorne zum Assistenzarzt, den ich mir vor der Operation aussuchen durfte. Ich unterhielt mich mit ihm und musste wie vorher besprochen hochgehaltene Piktogramme erkennen, welche vor der OP schon einmal durchgenommen wurden. Immer in Begleitung von diesen sehr ekelhaften Schmatzgeräuschen im Hintergrund. Vermutlich war das der Chef-Chirurg, der mit elektrischen Impulsen nach Regionen gesucht hat, die er wegschnippeln konnte. Hätte er einen Teil meines Gehirns mittels dieser Technik stimuliert, die er auf gar keinen Fall wegschnippeln darf, hätte es bei mir Sprechaussetzer oder Erkennungsfehler in den Piktogrammen gegeben. Für mich fühlte es sich an, als wäre ich nur „kurz“ für etwa 30 Minuten geweckt worden. Hinterher stellte sich heraus, dass ich wohl fast die komplette Operation lang wach war.

Endlich geschafft, oder doch nicht?

Hinterher kam ich zurück auf die Station, nur leider nicht für lange. Es bildete sich ein Hämatom an der rechten Schläfe, weshalb den Tag danach noch einmal eine Notfall-OP eingeleitet werden musste. Also nochmal alles aufmachen, absaugen oder was auch immer da gemacht wurde, wieder zusammenflicken und zurück auf die Station… Denkste. Jetzt begann meine Zeit auf der Intensivstation. Eine Zeit, an die ich auf gar keinen Fall zurückdenken möchte. Schlaflose Nächte, auf Grund von schmerzverzerrter Geräusche anderer Patienten und das stete Piepen und Fiepen der Geräte hinter und neben mir, haben mir die letzten Nerven geraubt. Anfang musste mich meine Verlobte mit Himbeeren füttern, weil nichts anderes ging. Das war eine extreme Zeit. Aber auch hier habe ich nie verlernt zu lachen. Ich habe mich dazu entschieden ein Foto von mir kurz nach der OP zu zeigen, also alle die etwas zarter besaitet sind, sollten jetzt aufhören zu lesen.

Und weil es so schön war, gibt es hier noch ein halbwegs aktuelles Foto von Silvester 2017/18

Und um diese hübschen Fotos jetzt schnell wieder aus dem Kopf zu bekommen noch einmal meine beiden hübschen Katzen Kira (hell) und Luna (dunkel), auch von manchen liebevoll Arik und Anul genannt. Sie haben sogar eine eigene Seite hier auf dem Blog.

Bestrahlung mit einer anschließenden sechsmonatigen Chemotherapie

Nach diesen doch sehr privaten Einblicken in meine angestrebte Modelkarriere kehren wir nun wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich möchte hier ja niemanden neidisch machen. Nachher setzt sich das noch als Trend durch – dann habe ich den Salat. Im dritten Quartal 2017 folgte eine sechswöchige Bestrahlungstherapie, wo ich jeden Tag zum Bestrahlen des Kopfes hin musste. Glücklicherweise befand sich die Strahlentherapiepraxis in der Nähe von meinem zu Hause, weshalb ich hinlaufen konnte.

Im Anschluss an diesen Schritt ging es dann mit der der sechsmonatigen Chemotherapie los, die glücklicherweise ambulant und in Tablettenform einzunehmen war. Trotz alledem muss und musste ich alle vier Wochen zum Onkologen (Facharzt für Krebstumore), jedes Mal Blut abnehmen und kontrollieren lassen, für eventuelle Veränderungen der Dosierung, bei einem zu hohen Verlust an Thrombozyten usw.

Endspurt – allerdings mit Hilfe

Kurz vor Weihnachten wurde dann noch einmal ein MRT von meinem Kopf gemacht, wessen Befund am 21.12.17 besprochen wurde. Toll, oder? Da freut man sich so richtig auf das Weihnachtsfest, sollte eine schlechte Nachricht dabei rauskommen. In meinem Fall war es eine neutrale Aussage, also im Prinzip keine Aussage. Da das, was auf dem MRT zu sehen ist nicht richtig kategorisiert werden konnte. Es KÖNNTE Narbengewebe sein, es KÖNNTE aber auch ein Rezidiv sein, also ein wiederkehrender Tumor. Im Übrigen werden mich solche Aussagen jetzt wohl mein Leben lang verfolgen, denn eine „genaue“ Aussage wird es wohl nie geben. Auch bei den folgenden MRT-Terminen male ich mir keine Antwort like „Alles weg, herzlichen Glückwunsch“ aus, dafür ist diese Tumorart zu aggressiv. Aber ich versuche positiv in die Zukunft zu blicken, denn ich habe noch viel vor und lasse mir das nicht von diesem scheiß Krebs kaputt machen – und schon gar nicht mit 35.

Und da wären wir bei meinen ganzen Freunden, die mich so toll über diese schwere Zeit begleitet haben, immer für mich da waren und es noch immer sind. Ohne sie und vor allem ohne meine Freundin stünde ich wohl nicht da, wo ich jetzt stehe. Ich sehe diesem letzten Zyklus jetzt positiv entgegen. Ein kleiner Abschluss wird wohl das MRT im März sein, wo ich wohl doch noch einmal etwas aufgeregter sein werde. Ich hoffe jetzt aber mal, dass alles gut gehen wird, schließlich steht eine Hochzeit an, die auch noch im März stattfindet. Da bleibt keine Zeit für ein Rückfall.

Back to the roots

Vor dieser beschissenen Diagnose war ich sehr aktiver Läufer, wobei das auch nicht so ganz richtig ist. Ich habe die Leidenschaft zum Laufen erst recht spät entdeckt, als ich mich am 06.12.15 für den 36. Berliner Halbmarathon angemeldet hatte. Vier Monate Training von 0 auf 100 wird ja wohl drin sein. Mein Ziel von unter zwei Stunden für die 21 km habe ich mit 2:02 Stunden nur knapp verfehlt. Mein großes Ziel ist es allerdings zum Halbmarathon 2019 diese Zeit zu unterbieten. Drückt mir also die Daumen, dass ich es dieses Mal schaffe.


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