Chemozyklus-Halbzeit: Blutwerte im Keller

Ende letzter Woche habe ich einen kleinen Meilenstein in meiner Krebstherapie geschafft: die Halbzeit ist erreicht! Drei von den anstehenden sechs Zyklen sind bereits überstanden. Seit den beiden Operationen Mitte Juni 2017 ist viel passiert, es gab viele Höhen und ein paar Tiefen. Zeit für ein kleines Zwischenfazit.

Die Chemo und die Blutwerte

Das die Chemotherapie wirkt merkt man nicht zuletzt an den Blutwerten. Es sollte hinlänglich bekannt sein, dass es sich bei Chemo-Medikamenten um ein Zellgift handelt, welches primär die bösen Zellen lokalisiert und zerstört, aber natürlich auch gesunde Zellen angreift und ebenfalls dem Erdboden gleichmacht. Unter anderem betrifft das die Thrombozyten. Auf den Wert wird besonders geachtet, da dieser für die Blutgerinnung verantwortlich ist. Ist der Wert zu gering, muss über Alternativen nachgedacht werden wie eine Verschiebung des Zyklus-Rhythmus oder eine Herabsetzung der Dosierung.

In meinem Fall war es bereits bei dem Zyklus letzte Woche der Fall. Der Wert der Thrombozyten lag vor dem zweiten Zyklus bei 97. Das ist ein guter Ausgangswert für die Weiterbehandlung bei dieser Dosierung. Solange der Richtwert von 80 nicht unterschritten wird, kann also alles beim Alten gelassen werden. Nach dem zweiten Zyklus hat sich allerdings herausgestellt, dass meine Thrombozyten irgendwie keinen Bock auf Regeneration haben und sich lieber auf die faule Haut legen. Der Wert vor dem dritten Zyklus betrug nun also nur noch 58, ein Wert deutlich unter dem Richtwert von 80.

Was nun? Taktikänderung!

Bereits nach dem zweiten Zyklus kam es nun also schon zu einer Änderung. Sollte mich das beunruhigen? Ja! Es beunruhigt mich. Es beunruhigt mich vieles in letzter Zeit, darum möchte ich kein Geheimnis machen. Allem voran beunruhigt mich die ganze Ungewissheit um meine Zukunft. Aber das gehört nicht an diese Stelle – hier geht es jetzt erstmal darum meine Blutwerte wieder aufzupäppeln – und wie macht man das am Besten? Genau, man zieht den Schwanz ein und setzt die Dosierung runter. Eine Verschiebung des Zyklus kam für mich nicht in Frage und mein Onkologe (für Laien: Arzt mit dem Fachgebiet Krebs) hat mir auch davon abgeraten bzw. hielt die Herabsetzung der Dosierung für sinnvoller.

Was bedeutet das im Klartext? Bisher habe ich eine Chemotherapie-Dosis von 390mg bekommen. Das ist kein willkürlicher Wert, sondern errechnet sich anhand der Körperoberfläche. Deshalb ist es wichtig bei der Angabe der Größe und dem Gewicht nicht zu lügen 😉 Wir wählten für diesen dritten Zyklus nun eine Zusammensetzung von 320mg, was eine Senkung von knapp 18% entspricht und die Wirkung nicht sonderlich bzw. gar nicht beeinflussen sollte.

Auswirkungen der geringeren Dosierung

„Endlich hänge ich ab Donnerstag nicht mehr bis Sonntag durch und schlafe den ganzen Tag“. So hatte ich noch vor dem Start gedacht und bin mit vollem Elan gestartet. Ziemlich bald kam dann die Ernüchterung. Bis Donnerstag ging wieder alles gut, doch dann zeigte auch diese Dosis, dass es sie gibt und ihren Dienst aufgenommen hat. Ich weiß nicht, inwieweit ich jetzt eine Verbesserung wahrnehmen sollte, aber zumindest vom Empfinden her gab es sie nicht. Ich hoffe aber sehr, dass sich die Dosierung auf die Regeneration meiner Thrombozyten auswirkt und sie beim nächsten Blutbild besser aussehen.

Passt schön in den Absatz hier, also nehme ich es gleich mit auf. Es gab nicht nur eine Anpassung der Dosierung bei der Chemotherapie, sondern auch bei dem Begleitmedikament Methadon. Ich erzählte meinem Arzt, dass ich auch neben der Therapie immer sehr müde bin und eigentlich kaum noch Lebensqualität habe, weil ich den ganzen Tag schlafen könnte. Ich konnte mich auf nichts mehr konzentrieren und bin von einer Sekunde zur anderen einfach eingeschlafen. Er legte mir nahe in der Pause zwischen den Zyklen die Methadon-Dosis ebenfalls anzupassen, da sie ja eh nur greift, wenn man sie parallel zu der Chemo nimmt und sonst gar keine Effekte hat.

Was? Warum nicht einfach absetzen, fragt ihr euch? Berechtigte Frage. Methadon ist ein Opioid, welches bis vor kurzem noch als „Ersatzdroge“ für Heroinabhängige eingesetzt wurde. Es ist also eine abhängig machende Droge, um es ganz hart zu formulieren. Die Verlinkung zum Methadon befasst sich nochmal genauer damit. Dort erfahrt ihr auch mehr über den Einsatz und die Dosierungsmöglichkeiten, wenn man sich für eine Therapie mit Methadon entscheidet und einen Arzt findet der das unterstützt.

Methadondosis vs. Duracell Reloaded

Was soll ich sagen? Die Entscheidung war genau die Richtige. Seit ich auf 20 Tropfen zweimal täglich runter bin, fühle ich mich wie während der Bestrahlungsphase. Da ich nebenbei noch Kortison nehme, welches im Allgemeinen aufputschend wirkt, gewinnt dieses Medikament nun wieder die Oberhand und ich fühle mich wie ein Durcall-Häschen. Zur Veranschaulichung nochmal eine Werbung von damals.

Der Nachteil daran ist, dass das Medikament keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht macht und es deshalb auch ab und zu vorkommt, dass ich mehrmals in der Nacht wach werde und keinen ruhigen Schlaf finde. Glücklicherweise ist die Dosierung mit 1,5 mg (3x täglich 0,5 mg) recht gering gewählt, weshalb es nicht allzu oft vorkommt.

Wie geht es weiter?

Am 07.12.2017 wird zum ersten Mal ein Bild (MRT) von meinem Kopf gemacht, bei dem ermittelt wird, ob sich etwas verändert hat oder nicht. Der Idealfall wäre natürlich, dass sich nichts verändert hat. Nach der Operation wurde schonmal ein Bild gemacht, bei dem nachgewiesen werden konnte, dass der komplette Tumor entfernt werden konnte. Nun ist das bei dieser Art von Tumor leider nicht ausgeschlossen, dass er wiederkommt, weshalb ich in ständiger Angst leben muss als nächstes eine Hiobsbotschaft mitgeteilt zu bekommen. Schon bei dem Gedanken daran wird mir ganz schlecht. Also denken wir jetzt weiterhin positiv und lassen keine schlimmen Gedanken in meinen Kopf!

Die Besprechung des Bildes ist dann als Weihnachtsgeschenk am 21.12.2017. Ein toll gewähltes Datum für ein solch wichtiges Ereignis. Schauen wir mal, ob ich Weihnachten dieses Jahr strahlend unter dem nicht existierenden Weihnachtsbaum sitzen werde und unbeschwert daran teilnehmen kann. Ich habe den Zeitpunkt eben schlecht gewählt – was soll man also machen? Ich muss es so nehmen wie es kommt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

2 Antworten auf „Chemozyklus-Halbzeit: Blutwerte im Keller“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.