Ablauf (m)eines Chemozyklus

Ich möchte euch heute gerne einen Einblick in (m)einen typischen Chemozyklus geben. Hierbei sollte betont werden, dass jeder Mensch anders auf eine Chemotherapie reagiert und nur weil es bei mir so ist wie beschrieben, bei anderen Patienten – möglicherweise mit haargenau derselben Dosierung – auch anders ablaufen kann. Ich möchte hier ein wenig Licht ins Dunkel bringen und eine Erklärung liefern, warum ich mich in der aktiven Chemowoche nur so selten bei euch melde.

Allgemeiner Ablauf

Wer vorher wissen möchte, wie ich meine Diagnose erhalten habe, der kann sich gerne hier mehr zu mir durchlesen. Zunächst möchte ich euch über den Therapieplan informieren. Ich bekomme eine sechsmonatige Chemotherapie, die wie folgt getaktet ist. In der Therapiewoche bekomme ich hochdosiertes Temozolomid, ein Zellgift, welches gegen eine Neubildung von Tumorzellen vorgehen soll, da es primär bösartige Zellen ausfindig macht und zerstört aber auch gesunde Zellen angreift und deren Neubildung verhindert. Dieses Medikament nehme ich fünf Tage lang ein. Anschließend gibt es eine Ruhephase von drei Wochen bis der nächste Zyklus startet. Zyklus zwei habe ich übrigens gerade erfolgreich überstanden.

Dein neuer Freund: der Wecker

Eines ist ganz klar und nicht von der Hand zu weisen. Als unstrukturierter, chaotischer und vergesslicher Mensch wird diese Krankheit eine echte Herausforderung sein. Zu den Therapiezeiten habe ich täglich fünf Wecker, die mich an die Tabletteneinnahmen erinnern – und selbst außerhalb der Therapiezeiten, also in der Erholungsphase sind es noch vier. Mein Leben dreht sich nur noch um die rechtzeitige Einnahme von Tabletten und Methadon. Du musst immer auf die Zeit achten, wenn du irgendwo hinfährst, immer darauf achten genug „Stoff“ dabei zu haben, weil es sonst haarig (kein so passender Wortwitz) werden könnte. Das Positive: man gewöhnt sich sehr schnell daran.

Wo fange ich an?

Bei der Wahl der Startwoche habe ich mich bewusst für die Woche nach der Therapiewoche (Woche 1) entschieden. Warum? Nun, solltet ihr euch in einer ähnlichen Lage wie ich befinden, soll es ein Stück weit der Motivation dienen. Soviel sei gesagt: der Mensch ist ein faszinierender Komplex mit erstaunlicher Selbstheilungskraft. Natürlich spielt man sich selber auch noch sehr gut selbst in die Karten. Ich bin militanter Nichtraucher, lebe seit gut einem Jahr quasi vegan und blicke auf eine mehr oder weniger erfolgreiche sportliche „Karriere“ zurück (Berliner Halbmarathon 2015 in zwei Stunden).

Woche 2

Von Tag zu Tag geht es mir besser. Ich nehme jetzt täglich über den Tag verteilt nur noch acht Tabletten und 56 Tropfen Methadon. Die ersten zwei Tage der Woche habe ich noch viel geschlafen, war aber dienstags schon die ersten Schritte vor der Tür. Allgemein lässt sich mein Zustand auch sehr faszinierend am Frühstückstisch ablesen. Je mehr ich esse, desto besser geht es mir offenbar. An der Tabletteneinnahme wird sich bis zur Therapiewoche nichts mehr ändern, allerdings bin ich gegen Ende der Woche schon fast wieder alltagstauglich.

Woche 3 & 4

Diese beiden Wochen lassen sich eigentlich recht gut zusammenfassen, da es keine größeren Änderungen in meinem Wohlbefinden gibt und ich mich den Umständen entsprechend wohl fühle. Ich kann eigentlich alles unternehmen was ich möchte, mich frei entfalten.

Woche 1 (Therapiewoche)

Die Tablettenmenge erhöht sich pro Tag von acht auf dreizehn, zum Einen dadurch begründet, dass die eigentliche Chemotherapie dazukommt, zum Anderen, weil durch eine erhöhte Kortisoneinnahme versucht wird die bevorstehende Übelkeit unter Kontrolle zu halten. Die ersten drei Tage der Einnahme verlaufen hierbei unauffällig. Ich merke zwar, dass die Chemotherapie langsam Besitz von meinem Körper ergreift, aber das große Übel bleibt noch aus. Ab dem vierten Tag, also Donnerstag, fängt es an sehr unschön zu werden. Ich fühle mich total schlapp, kann mich kaum bewegen und schlafe alle paar Sekunden ein. Meine Freundin hat zu der Zeit alle Hände voll zu tun mich mit ausreichend Wasser und Nahrung zu versorgen, weil ich selbst dafür zu schwach bin. Im Grunde kann man sagen, dass ich den ganzen Tag geschlafen habe – und das ist nicht gelogen. Ich hätte es selbst nicht für möglich gehalten, dass das geht. Ich wurde lediglich von meinen Weckern und der damit verbundenen Tabletteneinnahme geweckt – schnell geschluckt hingelegt und ein paar Sekunden später war ich wieder weg.

Selbst das Wochenende, also zwei Tage nach Absetzen der Chemotherapie sah es nicht anders aus. Die Nachwirkzeit einer Tablette beträgt also zwei Tage – wieder etwas gelernt. ABER: und jetzt schließt sich der Kreis: wenn ihr jetzt nochmal zur Woche 2 springt werdet ihr feststellen, dass die Genesung unglaublich schnell verlaufen ist. Das sind die positiven Gedanken die man haben muss um die ganze Scheiße zu überstehen. Und wenn meine Worte nicht helfen, dann schreibt mich doch einfach über das Kontaktformular privat an.

Und wenn alles nicht hilft:

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